HTPC selbst gebaut

Kategorie: Workshops Erstellt: Sonntag, 07. April 2013 Zuletzt aktualisiert: Sonntag, 07. April 2013

HTPC-02-gehaeuse klViele moderne TV-Geräte, Receiver und BluRay-Player beinhalten die Möglichkeit, ins Netz zu gehen, WebTV zu schauen und TV-Sendungen aufzunehmen. Aber meistens leider nicht alles auf einmal und auch oft mit deutlichen Einschränkungen. So werden TV-Aufnahmen oft in einem proprietären Format aufgezeichnet oder die Geräte spielen Videos mit bestimmten Formaten nicht ab, da der passende Codec fehlt. Neue Funktionen werden nur selten nachgereicht, da der Hersteller lieber neue Geräte verkauft, anstatt die alten mit Updates zu versorgen. Außerdem vereint selten ein Gerät alle Funktionen in sich.

Die Lösung für diese Probleme ist der Selbstbau! In diesem Artikel möchte ich zeigen, wie ich einen Multimedia-PC fürs Wonzimmer zusammengestellt und zusammengeschraubt habe, der als BluRay-Player, Sat-Receiver, Aufnahme- und Abspielgerät, Datenspeicher sowie bei Bedarf auch als normaler PC fürs Wohnzimmer dient und dabei angenehm aussieht und wenig Lärm produziert.

HTPC-01-komponenten klDie hier getroffene Komponentenauswahl stammt aus dem August 2012. Daher wird es den einen oder anderen Bestandteil eventuell nicht mehr geben. Ich werde aber versuchen, die wichtigen Punkte für die Komponentenauswahl dahingehend zu erläutern, dass das Auffinden eines Nachfolgemodells möglich ist.

Am Anfang steht die Auswahl eines passenden Gehäuses. Zum ersten soll es im Wohnzimmer ansprechend aussehen (da hat jeder sicher die eignenen Präferenzen), es sollen preigünstige Standard-Komponenten verbaut werden können (ATX-Netzteil, MicroATX-Mainboard, midnestens 1x 5,25 Zoll und 2x 3,5 Zoll Laufwerk, Erweiterungskarten im Slimline/Low Profile-Format) es sollte den Lüfterlärm nicht unbedingt verstärken und am besten noch USB 3.0-Schnittstellen bieten. Alles das vereint für mich das LianLi PC-C37.

Als Netzteil dient ein prisgünstiges Modell von BeQuiet ohne Kabelmanagement (Efficient Power 350 W). Diese zwar vordergründig angenehme Technik kostet in diesem Fall durch die nötigen Stecker wertvolle Zentimeter Platz und wäre daher ungeeignet. Auch muss auf die Tiefe des Netzteils geachtet werden, zu große Exemplare passen nicht ins Gehäuse!

Eine grundlegende Entscheidung ist die Frage Intel oder AMD. Aktuell (Frühjahr 2013) würde ich zu AMD raten, da die integrierte Grafik-Einheit deutlich schneller als das Intel-Pendent ist und somit optimal für Multimedia-Anwendungen geeignet scheint. Als ich den PC baute, entschied ich mich aber für einen Intel Core i3-2120 auf einem ASrock B75 Pro3-M, da dieser Prozessor seinerzeit von der Leistungsaufnahme am günstigsten war. Und am besten vermeidet man Lärm, indem erst gar keine Abwärme entsteht, die durch einen Lüfter beiseite geschafft werden muss. Die Erfahrung im Betrieb zeigt, dass selbst mit dem Boxed-Lüfter, der nicht unbedingt als Leisetreter bekannt ist, keine unangenehme Geräuschkulisse aufkommt. Empfindlichere Naturen können natürlich noch einen extra leisen Lüfter verbauen. Die Hauptplatine bietet alles, was man hier braucht: USB 3.0, 4 S-ATA-Anschlüsse, Platz für Erweiterungskarten und einen HDMI-Ausgang.

Eine separate Grafikkarte ist wegen der in die CPU integrieren Grafikfunktionen nicht vonnöten. An Arbeitsspeicher sind 4 GB DDR3-RAM (2x 2GB) ausreichend. Um die reale und die gefühlte Geschwindigkeit deutlich zu steigern, findet eine SSD als Systemlaufwerk Verwendung: 120 GB bieten genügend Reserve für Softwareinstallationen. Wer spren will, kann auch mit 64 GB starten, muss dann aber im Zweifelsfall Abstriche bei Geschwindigkeit und der Software machen. Als Datenspeicher habe ich zunächst eine 1 TB Festplatte aus der Green-Serie von Western Digital verbaut, diese Laufwerke verbrauchen relativ wenig Strom und verursachen auch wenig Lärm. Im nächsten Aufrüstschritt wurde eine zusätzliche 2 TB-Platte aus der gleichen Serie verbaut. Dafür musste die SSD aus ihrer ursprünglichen Position weichen und wird jetzt quasi frei schwebend betrieben. Das ist bei SSDs relativ ungefährlich, da hier im Gegensatz zu normalen Festplatten keine beweglichen Teile im Einsatz sind.

Als BluRay-Laufwerk kann jedes aktuelle Retail-Laufwerk dienen. Retail deshalb, da dort meist eine Player-Software mit allen nötigen Codecs mitgeliefert wird, die man sich anderenfalls noch beschaffen müsste. Außerdem sollte man noch die Einbautiefe des Laufwerks beachten. Zu lange Modelle können zu Platzproblemen führen. Meine Wahl fiel auf ein BD-/DVD-Combo-Laufwerk von LG.

Zu einem PC gehören natürklich auch Tastatur und Maus. Um das ganze wohnzimmerkompatibel zu machen, habe ich von Logitech das K400 Wireless Touch Keyboard ausgewält. Neben drahtloser Ansteuerung bietet es auch gleich ein Touchpad als Mausersatz. Man muss somit nur ein Gerät auf den Wohnzimmertisch packen. Es gibt sicher auch kleinere Modelle, die sind mir aber zu unhandlich. Die Reichweite ist für mein Wohnzimmer gerade ausreichend, mit an der Geräterückseite positioniertem Empfänger reicht die Leistung knapp 5 Meter weit.

Im ersten Ausbauschritt habe ich zunächst auf eine TV-Karte verzichtet, da der PC nur als DVD/BluRay- und Media-Player dienen sollte. Im zweiten Ausbauschritt kam dann mit der zweiten Festplatte auch gleich eine TV-Karte im Slimline-Format mit Doppeltuner zum Einsatz, genauer gesagt die Digital Devices Cine S2 V6.5 mit PCIe-x1-Schnittstelle. An dieser Karte kann bei Bedarf auch noch ein CI-Interface zur Dekodierung von Pay-TV angeschlossen werden.

Das von mir ausgewählte Mainboard hat - wie die meisten aktuellen Boards - eine onboard-LAN-Schnittstelle. Wer kein Netzwerkkabel im Wohnzimmer liegen hat, muss noch einen WLAN-Adapter einplanen.

Softwareseitig kommt Windows 7 Professional zum Einsatz, die OEM-Lizenzen gibt es mittlerweile schon recht günstig. Das integrierte MediaCenter erfüllt durchaus seine Aufgabe. Für meinen Teil habe ich zum Fernsehen und Aufnehmen aber noch andere Software installiert, ProgDVB und der DVBviewer Pro sind hier zwei gut geeignete Programme. Zum Abspielen von BluRays und DVDs kommt die dem optischen laufwerk beigelegte Software zum Einsatz, ansonsten der VLC. Das Abspielen von BluRays und von HD-Filmen von Festplatte klappt problemlos. Des weiteren dient der PC als Server für einen Asus O!play am Zweitfernseher.

In der Bilderstrecke sind die wesentlichen Schritte beim Bau des Wohnzimmer PCs dargestellt. Zur Vertiefung des Themas "PC-Eigenbau" sei hier auf den entsprechenden Eigenbau-Workshop (folgt demnächst!!) oder den Artikel zum Workstation-Bau verwiesen.

Bilderstrecke mit weiteren Erläuterungen

Einkaufsliste

Komponente Beispiel Preis Alternative Preis
Mainboard ASRock B75 Pro3-M 65 EUR ASRock FM2A75 Pro4 75 EUR
CPU Intel Core i3 2120 100 EUR AMD A8 5500 100 EUR
RAM 2x 2 GB Kingston DDR3 25 EUR jeder preisgünstige RAM  
Gehäuse LianLi PC-C37 120 EUR    
Netzteil BeQuiet Pure Power 350W 50 EUR    
SSD OCZ Vertex3 120 GB 95 EUR Samsung 840 Series 120 GB 100 EUR
Festplatte 1 Western Digital Green 1 TB 60 EUR    
Festplatte 2 Western Digital Green 2 TB 120 EUR    
BluRay-Laufwerk LG CH10LS28 70 EUR    
Tastatur Logitech K400 35 EUR    
TV-Karte Digital Devices Cine S2 160 EUR Hauppauge HVR 5500 130 EUR
Betriebssystem Windows 7 Pro 50 EUR Linux mit VDR 0 EUR

Die Preise sind nur eine Momentaufnahme. Wenn Komponenten nicht mehr am Markt sind, werden die Restbestände teilweise zu Mondpreisen angeboten, daher ist es sinnvoll, sich neue passende Bauteile zu suchen.